Fruchtzwerge und Marktwirtschaft.
Man mag es kaum glauben, aber auch die (Fernseh)werbung transportiert manchmal völlig unerwartete aber tiefgründige Wahrheiten.
So grinste mir z.B. vor ein paar Minuten ein blondes Kindergesicht, das in einer typisch konsumidyllischen Fruchtzwergewerbung mitlächeln durfte, entgegen: "Wir wollen immer das, was wir gerade nicht haben."
Auch wenn dieser Spruch an und für sich nur als dämliches Verkaufsargument für Fruchtzwerge mit zwei Geschmacksrichtungen in einem Becher herhalten sollte könnte er doch ebenso gut der Leitsatz unserer Konsumgesellschaft sein, die von eben dieser allgegenwärtigen Unzufriedenheit bestimmt wird.
Sein wir doch mal ehrlich: Wer ist schon glücklich? Glück ist heute viel mehr zu einem kurzweiligen Moment als zu einer gesamten Einstellung geworden, und solche Momente sind fast ausschließlich über Konsum zu erreichen.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Der Gedanke, dass wir ohne Konsum dauerglücklich und ewig gut gelaunt wären ist absoluter Unsinn, aber es ist wohl unbestreitbar, dass die aktuelle, konsumorientierte Gesellschaft einen permanenten Druck auf uns ausübt, dessen Schmerzhaftigkeit wir nur nicht erkennen, weil wir uns schon längst an ihn gewöhnt haben.
Eben hier setzt nämlich das Fruchtwerge-Prinzip an: "Wir wollen immer das, was wie gerade nicht haben".
Woher aber stammt dieses beständige Streben? Wer die Schuld daran allein denen in die Schue schiebt, die daran profitieren tut ihnen Unrecht: Mit Sicherheit wird dieses Streben nach Verbesserung von den Anbietern von Konsumgütern schamlos ausgenutzt um uns zum Kauf völlig absurder Produkte zu bewegen, doch die menschliche Eigenschaft, einen Mangel als solchen zu erkennen und beheben zu wollen ist nichts neues und existierte schon vor allem Konsumdruck: Ohne dieses stete Streben nach Verbesserungen wäre jede Entwicklung, von der Erfindung des Rades bis zur französischen Revolution, schlichtweg undenkbar.
Dass die Konsumtreiber dieses Verhalten nicht forciert haben heißt aber nicht, dass sie es nicht schamlos ausnutzen: Indem sie uns, zum Beispiel durch nervtötende Werbung mit dauergrinsenden Blagen und brav konsumierenden Müttern, die Erkenntnis aufzwingen, dass das Nicht-besitzen eines bestimmten Gutes ein objektiver Mangel ist, der nur durch Konsum des Gutes behoben werden kann mißbrauchen sie diesen simplen Mechanismus, um sich williges Konsumvieh zu halten.
Und so durchsichtig dieses Vorgehen auch scheint: Es ist beinahe uneingeschränkt erfolgreich, denn es entzieht sich jeder Individualisierung: Selbst der rebellischte Weltverbesserer verdeutlicht seinen Protest schlicht und einfach dadurch, dass er anders konsumiert als die Masse, von der er sich abgrenzen will und erkennt nicht, dass er damit nur Mängel befriedigt, die die zahlreichen auf alternative Haltungen abgestimmten Beeinflussungsprozesse aller Art in ihm wachgerufen haben. Wer rebelliert kauft den als besser angepriesenen Ökostrom anstelle des bösen bösen Atomstroms oder holt sich ein Biobrot anstelle von Massenbackwaren und entzieht sich somit nur halbherzig dem System. Aber ist das überhaupt machbar? Ist es überhaupt möglich, sich dem Konsumzwang zu entziehen? Das würde einer absoluten Entsagung gleichkommen, die wohl auch den Willensstärksten unter uns schwer fallen dürfte. Und somit müssen wir uns wohl mit einem mehr oder weniger neuen Gedanken abfinden: Die Konsumgesellschaft ist wohl – zu mindest kurzfristig – unrevolutionierbar und es ist an der Zeit, sich damit abzufinden und schlicht und einfach seine Individualisierung durch ausgiebige Reflektion zu vollziehen.
Das heißt: Ich werde einen Teufel tun, mir multi-geschmacks-Fruchtzwerge zu kaufen, aber dem System entziehen kann ich mich nicht: Dazu ist mein Mechanismus zu primitiv und mein übergeordneter Wille zu schwach.



- Man kann sich dem System entziehen, wenn man in einer Kommunde die benötigten Güter selbst herstellt. Allerdings führt das zu einer Reihe weiterer Schwierigkeiten…..
- Wenn man Biobrot und Soja kauft, agiert man zwar innerhalb des Systems; das ist aber innerhalb dessen die einzige Möglichkeit, den Lauf der Dinge zu beeinflussen: wer Biobrot kauft, kauft kein Aldi-Brot, damit geht ALDI vielleicht irgendwann das Geschäft kaputt. Wenn das viele machen würden, bringts auch was. Allerdings darf man von seiner ganz privaten Handlung keinen direkten Effekt erwarten; ist halt nur die Frage, ob man konsequent genug ist und ob man ansonsten das Aldi-Brot mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Vermutlich isoliert man sich (oder wird arm), wenn man nicht nach dem Mittelweg sucht.
roogy
25 Mai 2006 um 20:51 (8:51 )
Zu “Man kann sich dem System entziehen, [...]“:
Das ist zwar wahr aber (leider, ich wäre sofort dabei) unrealistisch.
Zu “Wenn man Biobrot und Soja kauft [...]“:
Da kann ich (als Soja-Käufer und Biobrot-Selberbacker) nur zustimmen.
Das ist aber halt kein Ausweg aus dem System sondern der beste Weg innerhalb dieses Systems.
Bleibt die Frage, ob das überhaupt problematisch ist.
MaBU
25 Mai 2006 um 23:29 (11:29 )
[...] Mit Ikea und dem Thema aufraeumen sind wir eigentlich schon fast in der richtigen Ecke. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten unter euch auch viel Werbung ertragen muessen. Sobald mal einen Film schaut, der nicht auf einem der oeffentlich-rechtlichen Sender laeuft wird man ja quasi dazu genoetigt. Angenehmere Erfahrungen sind da die Spots von VW, IBM oder eben von IKEA, der neue Spot von Sharp fuer die Aquos LCD TVs und – waere der Spot nicht von Vodaphone – auch der dieser Firma (ich sage nur Eintagsfliege). Nennen sollte man hier auch Sony mit einigen recht einfallsreichen Ideen oder auch die (etwas angestaubte) Doppelkeks Werbung mit den singenden Erdbeeren (wer von euch zwischen 1986 und 1992 schon TV-Junkie war wird sich mit sicherheit an die kurzlebige Sorte “Erdbeere” erinnern). Neben diesen Werbespots, die auf irgendeine Weise einfach nur Stil haben und bei denen durchscheint, dass sich einige Leute doch noch Gedanken darueber machen, wie man ein Produkt ins rechte Licht rueckt, gibt es auch immer wieder welche bei denen man nur denkt “Oh Mann!”. Hier waeren saemtliche Spots fuer Reinigungsmittel (Cilit Bang und Freunde), Kosmetik und Pflege (Thema “Haesslich gebohren, verkleistert gestorben”) sowie viele der Lebensmittel-Spots (Besonders Frischware wie Kaese, Suessigkeiten und so weiter, ich sage nur Fruchtzwerge (siehe MaBU)) ein treffendes Beispiel. Diese scheinen einen einfach nur fuer unglaublich Dumm zu halten oder versuchen sich auf genau diese Weise in unser Unterbewusstsein zu schleichen. Dieser Gruppe widme ich meinen heutigen Zornessturm. [...]
Dear Ladies and Gentlemen, my fellow crawlbots… » Blog Archive » Neues aus der Welt der verkaufsfoerdernden Kurzfilme
30 Mai 2006 um 08:55 (8:55 )
Das problem bei der ganzen Sache ist, dass, so lange es immer wieder fuer unrealistisch abgetan wird, dass auch bleibt.
Ansonsten meine vollste Zustimmung zu roogy und zu dir… dieses Flatrate leben ist auch nichts wahres… also alles auf einmal befriedigen und das mehr als Hinreichend und mit kostenfreier Option auf mehr.
es sprach der Sternensucher…
starseeker
30 Mai 2006 um 23:47 (11:47 )
Wir bieten Ihnen Soja Semel an.
Wenn Sie Interese haben, bieten antworten Sie diese email.
Unsere Verkaeuferin Laura Aprozov will Ihnen naeschte woche Maers 2008, besuchen in Deustchland.
Bitte schreiben Sie uns an und melden Sie sich und scheriben Ihre Telephone Nummer.
Jose DOnofrio
Jose DOnofrio
15 März 2008 um 20:14 (8:14 )